Beleidigte Leberwurst

Einige von euch, die mir auf Twitter folgen, werden sich gefragt haben „was hat sie denn jetzt mit diesem Ernährungsquatsch“?
Sie hat eine Fettleber. Die liegt bei uns in der Familie. Bis Mitte dieses Jahres verfolgte ich die Vogel-Strauß-Taktik. Eine Krankheit die nicht diagnostiziert wurde existiert auch nicht. Aber im fortgeschrittenen Alter muss man sich nun mal medizinisch durchchecken lassen, vor allem wenn man die Verantwortung für eine Familie trägt. Also bat ich um einen kompletten Bluttest, inkl. Leberwerte. „Wieso denn ausgerechnet Leber?“ fragte mein Hausarzt. „Das ist so’n Familiending“ antwortete ich.
Angesichts der ersten Laborwerte kippte mein Arzt ein wenig vom Stuhl. Kontrollwert wurde angeordnet; 4 Wochen kein Alkohol, auf Cholesterin achten, dann erneute Blutabnahme. Ich hielt mich streng an die Verordnung, die Blutwerte waren tatsächlich ein wenig besser. Nochmal 6 Wochen keinen Alkohol, erneute Blutabnahme. Obwohl ich mich daran hielt gab es keine Verbesserung der Blutwerte. Überweisung zum Gastroenterologen.
Der machte vergangene Woche eine Sonographie meiner Leber. Er ist ein Mann der krassen Gleichungen. „Ihre Leber ist ein guter Kostverwerter, für’s Überleben im Mittelalter oder zu Kriegszeiten optimal…“ und „…stellen sie sich das Gänsestopfen vor Weihnachten vor, ihre Leber ist so fett, für Feinschmecker wär sie eine Delikatesse…“ oder auch „Die Leber sendet keine Schmerzsignale, wär sie ein Zahn würden sie auf Knien vor ihrem Zahnarzt liegen und um den Bohrer betteln“. Was mich aber schlussendlich wirklich wachrüttelte waren zwei simple Prozentzahlen. „Eine gesunde Leber speichert ca. 5% Fett, ihre ist jetzt bei ungefähr 70%“ (ACH DU SCHEISSE!)
Die gute Nachricht; eine Fettleber ist komplett heilbar solange sie noch nicht zur Zirrhose geworden ist. Die schlechte; Medikamente gibt es keine, einzig Lebens- und vor allem Ernährungsumstellung helfen.
Ich bin nicht fett, lediglich mopsig. 70kg bei 163cm. Ich trank niemals übermäßig Alkohol, schon gar nicht regelmäßig. Ich trieb mein Leben lang Sport, bis ich vor ca. 1,5 Jahren aus Zeitmangel mit Fussballspielen aufhörte. (fataler Fehler) Und ich gebe zu, meine Ernährung weist grundsätzlich Verbesserungspotential auf. Ich esse gerne Pasta, Fleisch, Käse und aus Zeitmangel gibt es leider viel zu häufig Fertiggerichte und Fast-Food.
Wenn ich muss kann ich sehr konsequent und zielstrebig sein. Also Reissleine! Meine letzte extreme Ernährungsumstellung ist über 10 Jahre her und heilte mich damals komplett von Neurodermitis (die ich in einem sehr fortgeschrittenen Stadium über mehrere Jahre hatte).
Theoretisch weiß ich viel über Nahrungsmittel und deren Inhaltsstoffe ich war nur praktisch zu faul das Wissen vernünftig anzuwenden.
Meine Recherchen (verbindliche medizinische Empfehlungen gibt es für diese Erkrankung leider noch nicht so wirklich) haben folgendes ergeben: Anstrebenswert sind 1200 Kalorien täglich, bei maximal 120g Kohlehydrate (nach 17 Uhr gar keine mehr), möglichst wenig Fett (und vor allem keine tierischen Fette!), dafür reichlich Eiweiß und Ballaststoffe.
Da Kohlehydrate und Fleisch bisher fast immer zu meinen Mahlzeiten gehörte eine ziemliche Umstellung. Wichtig ist übrigens auch nicht ZU wenig zu essen weil die Leber sonst den Notstand ausruft und sich entzünden kann.
Eine Kontrolle musste also her. In Zeiten der Smartphone Apps eine meiner leichtesten Übungen. Kalorienzählapps gibt es viele, will man aber die genaue Angabe aller Nährstoffe wird es schon schwieriger. Ich fand zunächst eine amerikanische, kam aber sowohl mit den Maßangaben nicht so gut klar als auch mit den hinterlegten Nahrungsmitteln. Dann lieber was Deutsches. Ich stieß auf eine die mir sehr gefiel. Bis ich mehr Einstellungen vornehmen wollte und auf den Eintrag „nur für GOLD-Mitglieder“ stieß. Eine monatliche Zahlung war gewünscht in beachtlicher Höhe. Also erst mal wieder weiter suchen ob es noch etwas anderes gibt. Hängengeblieben bin ich schlussendlich bei fddb.info – einer Lebensmitteldatenbank die sowohl im Browser läuft als auch per App und bei der man ein Ernährungstagebuch führen kann. Sehr komfortabel und übersichtlich, empfehle ich uneingeschränkt!
Nächstes Projekt; ich muss wieder Sport treiben. So richtig Lust habe ich zwar nicht aber es hilft nun mal alles nichts.
Irgendwann muss jeder Sterben, aber ich werde es nicht wegen meiner Leber tun!

Nachsatz: Etwas das meine Fettleber auslöst geht mir tierisch auf den Kranz; ständige Müdigkeit. Wenn ich mich ließe würde ich quasi nonstop schlafen und könnte das vermutlich auch. Dabei gibt es so vieles was ich machen möchte und der Tag hat eh schon so wenig Stunden…