“Gutbürgerlich”

Ich esse ja gerne variantenreich und mag vermutlich fast sämtliche Küchen dieser Welt. Spannende Kombinationen, unbekannte Gewürze und Zutaten. Je ausgefallener, umso besser. Und genau so koche ich auch oft. Meine Kinder haben sich mitunter schon beschwert “Mama, kannst du nicht mal normal kochen?”. Ich schaue dann mit großen Augen und frage mich was die unter “normal” verstehen. Ich vermute mal irgendwas, das man unter “gutbürgerlich” einordnen würde. Deftige, deutsche Küche. So wie halt meine Eltern noch fast ausschließlich gekocht haben. Kartoffeln, Spinat und Spiegelei. Schweinebraten mit Rotkohl und Klößen. Eintopf. Hühnersuppe. Aber JA, sowas koche ich natürlich auch und ich mag es sehr. Halt nur nicht ausschließlich.

Wenn wir essen gehen gibt es allerdings immer “ausländisch”. Die Kids mögen amerikanisch (Burger), italienisch (Nudeln und Pizza) und Japanisch (Sushi). Uns würde nicht im Traum einfallen zu sagen: “heute gehen wir mal gutbürgerlich essen”. Aber wieso ist das eigentlich so? Zum einen liegt es bestimmt am mangelnden Angebot. Mir fallen ad hoc Restaurants jeglicher Couleur in allen Stadtgebieten Hamburgs ein, keines davon würde ich als “gutbürgerlich” bezeichnen. Ein paar arschteure Etablissements gibt es natürlich, die die deutsche Küche mit der nouvelle Cuisine verquirlen und deren Preise kaum für ein Familienessen des Mittelstands in Frage kommen. Ach ja und auf dem Land gibt es sowas natürlich auch noch. Günstige Gasthöfe, rustikal eingerichtet. Das Publikum kann vermutlich überwiegend mit eigenen Erfahrungsberichten aus dem Krieg aufwarten. Sorry, aber da fühl ich mich nicht wohl. Und ich möchte mich wohlfühlen wenn ich zum Essen ausgehe.

Was fehlt? Restaurants, die NICHT altbacken und abgeschmackt wirken aber TROTZDEM leckeres, bezahlbares, deftiges -nennen wir es von mir aus weiterhin “gutbürgerliches”- Essen anbieten. In Hamburg hab ich sowas noch nicht gefunden. Falls jemand sowas kennt bin ich absolut gewillt es auszuprobieren. Was ich aber definitiv bald ausprobieren werde und worauf ich mich sehr freue ist Muttis Futterstube in Berlin. Da sind wir nämlich ab und zu. Also in Berlin. (Allerdings viel zu selten.)

Die Futterstube wird 2015 eröffnen und ich kann es kaum erwarten. Ich kenne die großartige Person, die sich das Konzept ausgedacht hat und bewundere ihre Chuzpe (ja, googelt das ruhig). Ich hab mich nämlich nie getraut meinen beruflichen Traum zu verwirklichen und mich selbstständig zu machen und ziehe meinen Hut vor jedem der das wagt. Vor allem, wenn es um irgendwas mit Lebensmitteln geht. Sowas ist in Deutschland ja gar nicht so einfach bei den ganzen Vorschriften die man so einhalten muss. Seit über einem Jahr plant “Mutti” ihre Futterstube und ich habe regelmäßig mitbekommen wie viele Steine einem da so in den Weg geworfen werden. Trotzdem am Ball zu bleiben, sich nicht unterkriegen zu lassen, mit den ganzen Randerscheinungen einer Selbstständigkeit klarzukommen erfordert Leidenschaft, Durchhaltevermögen, Mut und Rückhalt. Offensichtlich hat sie das alles und die Eröffnung steht quasi vor der Tür. Es gilt allerdings noch eine weitere Hürde zu nehmen; die Finanzierung, die es u.a. ermöglicht die Räumlichkeiten anzumieten und auch einzurichten.

Ist es da nicht wunderbar, dass man heutzutage abgesehen vom Gang zur Bank noch andere Möglichkeiten hat? Crowdfunding ist eine der schönsten Errungenschaften des Internets. Eine Menge von Leuten (Crowd) unterstützt finanziell (to fund) die Verwirklichung einer Idee. Ich habe schon einige Crowdfunding Projekte unterstützt und finde das Konzept absolut großartig. Es gibt da ja verschiedene Vorgehensweisen; das Projekt kommt NICHT zustande wenn nicht genügend Unterstützer gefunden werden oder das Projekt kommt AUF JEDEN FALL zustande, muss aber halt weniger über einschlägige Kreditinstitute finanzieren. Da “Mutti” auf jeden Fall eröffnen will und wird hat sie natürlich Letzteres gewählt und das könnt ihr, wenn ihr möchtet hier unterstützen. Dabei ist völlig egal ob ihr 5€ oder mehr spendet – Kleinvieh macht eben auch immer Mist.

Ich weiß dass “Mutti” für jede noch so kleine Spende dankbar ist und ich weiß auch dass sie es verdient. Sie hat nämlich ein großes Herz, ist absolut integer und läßt sich nicht unterkriegen. Ich mag solche Menschen und es gibt viel zu wenige davon.

Falls ihr selbst nicht spenden wollt oder könnt, verbreitet doch bitte wenigstens diesen Text. Oder einfach den Link zum Projekt. Vielleicht kennt ihr ja jemanden, der jemanden kennt, der …

1000 Dank!

Liebesopfer

Wenn eine Beziehung funktionieren soll muss man unter Umständen gelegentlich Opfer bringen. Manche davon bringt man aus freien Stücken, zu anderen wird man vom Partner genötigt.
Ich habe beides schon oft getan.
Mit einem Vegetarier zusammen zu sein heißt mitunter auf Fleisch zu verzichten wenn man zusammen kocht. Mein Vegetarier hat das nie von mir verlangt, aber ich fand es ok, darum tat ich es oft.
Mit einem Stubenhocker zusammen zu sein heißt dass man wahrscheinlich weniger ausgeht. Ich tat das und habe dadurch zum Beispiel einige Konzerte verpasst, was mich tatsächlich heute noch, also fast 20 Jahre später, unfassbar ärgert.
Mit einem Mann zusammen zu sein der gerne Filme schaut die man selbst nicht mag heißt dass man des öfteren über den eigenen Schatten springt und die Zähne zusammen beißt. Ich sah in der Zeit einige Horrorfilme. Das war nicht ganz so schlimm, aber jetzt da ich dies nicht mehr machen “muss” bin ich wirklich froh darüber.
Mit einem eifersüchtigen Mann zusammen zu sein heißt womöglich Kontakte zu Ex-Freunden oder anderen langjährigen Freunden abzubrechen. Man hat das schon mehrfach von mir verlangt, ich tat es jedesmal. Es hat weh getan und im Endeffekt hat es eigentlich nichts gebracht. Eifersucht und Spießrutenlaufen gab es trotzdem nur gegenüber anderen Leuten. Einige dieser früheren Freunde habe ich womöglich für immer verloren, andere habe ich nach Beendigung der Beziehung wiedergefunden.
Das Extremste was ich mal tat war alle damals existierenden erotischen Fotos von mir zu löschen, nur EIN Backup auf einer CD zu machen und diese meinem Freund auszuhändigen. Damals erschien mir das ein kleines Opfer, seit Beziehungsende (vor ca. 8 Jahren) könnte ich mich dauerhaft in den Arsch beißen weil diese Fotos unwiderruflich verloren sind.
Ich weiß ehrlich nicht genau ob ich aufhören würde Dinge zu tun die mir wichtig sind weil mein jetziger Freund das von mir verlangt. Wir sind schon lange zusammen und er ist mir durchaus wichtig. Ich verzichte tatsächlich auf vieles wenn wir zusammen sind (z.B. aktives Twittern), aber da wir nicht zusammen leben habe ich ausreichend Freiraum dies zu tun wenn ich alleine bin. Und er hat bisher auch noch nie von mir verlangt etwas aufzugeben.
Wenn man mit Außenstehenden über derlei “Opfer” spricht zeigen die oft Unverständnis. Meist gehörter Satz: “Er sollte das nicht von dir verlangen und dich so lieben wie du bist!” Sollte. Stimmt. Aber er tut es nun mal nicht also habe ich eine Entscheidung zu treffen.
Ist er mir wichtig genug das entsprechende Opfer zu bringen? Oder dreh ich mich um und sag “leck mich, das ist ein Teil von mir entweder du akzeptierst das oder es ist Schluss”?
Ich würde immer “opfern”. Ich bin einfach blöd. Ich denke immer dass es das wert ist und dass ich es verkrafte. Ich bin einfach blöd.
JEDES VERDAMMTE MAL!

Dieser Post ist jemand ganz besonderem gewidmet.
Ich bin blöd, du musst es aber nicht sein. Es ist deine Entscheidung.