Teenagerliebe, Teil 1 1981-1987

Mit dem Schulwechsel auf die Orientierungsstufe erweiterte sich mein Freundeskreis und somit meine ganze Welt schlagartig. Musik war plötzlich viel wichtiger als vorher. Man las die Bravo und tauschte sich über Musik aus. Man traf sich zum Musik hören. Ich erinnere mich, dass wir bei uns im Hochhaus im obersten Stockwerk abhingen (da wo keine Wohnungen mehr waren, sondern nur noch die Tür zum Dach), Musik hörten, Tanzschritte übten, Bravo lasen, Songtexte lernten. Das Aufnehmen aus dem Radio wurde perfektioniert. Man teilte sich seine Errungenschaften gegenseitig mit. Es war alles sehr aufregend.

1982 schenkte mir meine Schwester meinen ersten Walkman. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich konnte jetzt z.B. auch im Auto bei meinen Eltern MEINE Musik hören. Sie jammerten nicht mehr dass die Hottentottenmusik aus meinem Zimmer zu laut sei. Ich hatte das Ding quasi ständig auf den Ohren …

1982 war auch das Jahr in der die „Neue Deutsche Welle“ die Öffentlichkeit im Sturm eroberte. Wir ALLE hörten NDW Songs und feierten diese neue Musik. Sie hielt sogar flächendeckend Einzug in die Hitparade, man stelle sich das vor! Meine Eltern waren angesichts solcher tiefgründigen Lieder wie „Da Da Da“ von Trio und „Hurra, hurra, die Schule brennt“ von Extrabreit natürlich entsetzt.

1983 gab es für mich einen erneuten Schulwechsel, auf die Oberstufe. Es gab wieder neue Mitschüler, darunter zwei Punk-Mädchen. Ich freundete mich mit Ihnen an und hatte zum ersten Mal Zugang zu Musik, die es nicht im Radio gab. Wir hörten Extrabreit, die Toten Hosen, Slime, die Crackers und die Sex Pistols. Und natürlich Die Ärzte. Die waren alleine schon deswegen ULTRA cool, weil ihre Musik damals auf dem Index stand. Meine Liebe zu Punkmusik habe ich mir bis heute erhalten. Ich hörte aber nicht nur Punk. Die Musik, die in den Charts lief war 1983/1984 ziemlich wunderbar; Talk Talk, Alphaville, Queen, Eurythmics, Michael Jackson, Frankie goes to Hollywood, Duran Duran, Depeche Mode um nur ein paar zu nennen.

1984 meldete ich mich zum Standard-Tanzkurs an. Das machte man früher so. Es herrschte ein Mangel an tanzbegeisterten Jungs, sodass in den Grundkursen sogenannte „Gastherren“ aushalfen, die schon älter waren und aus den fortgeschrittenen Kursen kamen. Einer davon war Uwe und DER hat mein musikalischen Vorlieben ganz gehörig auf den Kopf gestellt. Uwe war ein Musikliebhaber durch und durch. Wir freundeten uns schnell an und der Ärmste verknallte sich schlimm in mich. Dass ich ihn jahrelang nicht erhörte, hielt ihn allerdings nicht davon ab, mich mit Mixtapes zu versorgen, mir hunderte von Alben auf Kassette zu kopieren und mir zur Hause stundenlang seine gigantische Plattensammlung zu zeigen. (Ja, NUR die Platten!) Er hatte unter anderem viele ältere Sachen von seinem Vater und begeisterte mich für The Sweets, Uriah Heep, The Kinks, Status Quo usw. und führte mich ganz langsam mit Iron Maiden, Scorpions, Black Sabbath und Judas Priest an frühen Heavy Metal heran. Außerdem zeigte er mir mit Marillion – Misplaced Childhood mein erstes Konzeptalbum, das ich sehr liebe. Viele Jahre lang erweiterte Uwe so fast im Alleingang meinen Horizont. Sein Musikgeschmack war breitgefächert und vieles davon färbte auf mich ab. Nur seine Begeisterung für Pink Floyd vermochte ich nie so ganz zu teilen. Uwe war vermutlich der wichtigste Einfluss auf meinen Musikgeschmack und ich bin ihm bis heute sehr dankbar dafür.